Lebenslang Lernen

Lebenslang Lernen

Lebenslang lernen – „Ein Fernstudium wird nicht anerkannt – reine Zeitverschwendung“, so rümpfte mein Vorgesetzter zu diesem Thema die Nase. Und das zu einem Zeitpunkt, als ich noch im besten Lernalter war. Tja und auf einmal raste die Zeit los. Schwups stand ich eines Tages vor der Tatsache, dass ich mich neu orientieren musste. Urplötzlich hatte ich wahnsinnig viel Zeit, einen Job, der von selber lief und eine Wohnung, die nicht mal mehr die Hälfte der Zeit in Anspruch nahm, die ich sie sonst für Haus und Garten aufbringen musste. Und nun? Nachdem ich einige Alternativen ausprobiert hatte, meldete ich mich bei der Fernuniversität Hagen an und nahm ein BWL-Studium auf.
Das war gut. Ich lernte mich wieder zu strukturieren, Lernmaterialien ausfindig zu machen, knüpfte Kontakte mit Kommilitonen und konnte mich mit ihnen über Mathematik, Statistik und Rechnungswesen austauschen. Da kam wieder Schwung in die grauen Hirnzellen! Das hier ist sinnerfüllt und voller neuer Aufgabenstellungen, die alles von mir forderten. Klar, mit 46 konnte ich nicht mehr so viel aufnehmen wie mit 26 Jahren aber – ich wurde immer besser darin. Und – auf der Suche nach dem besten Mentor, ging es dann auch noch auf Reisen.
Mein Kreativitätsbedürfnis meldete sich dann irgendwann doch zu Wort und als ich das Grundlagenseminar Wirtschaftsinformatik belegte, entdeckte ich die Möglichkeiten des Programmierens. Der Farbklecks in mir, lenkte mich dahin, auch mal in die Webentwicklung reinzuschauen. Programmieren, Gestalten, mit Kunden kommunizieren, Ideen entwickeln – Projekte von Anfang bis Ende begleiten. Das war es! Weiter und weiter tauchte ich in die Materie ein und entdeckte wie riesig dieses Thema war und begann systematisch nach Input zu suchen, was Internetsicherheit, Programmierung und Gestaltung betraf.
Lebenslang lernen macht wirklich Sinn. Erstens kann es passieren, dass man seine Leidenschaft für Dinge entdeckt, die man sich niemals zugetraut hätte und einer von vielen anderen positiven Nebeneffekten ist, meine Merkleistung ist besser als je zuvor. Wie ärgerlich das war, dass ich mir nichts von zwölf bis Mittag merken konnte! Neuerdings kann ich mir Dinge merken, ohne mich anzustrengen. Sie blieben einfach im Kopf und ich kann sie noch Wochen später abrufen, wenn alle anderen schon lange vergessen hatten, was genau los war. Nicht alles – klar, aber hundertpro mehr als vorher.
Würde ich es noch einmal machen? Laut und deutlich: Ja!
Oft meldete sich ein Gedanke zu Wort, warum erst jetzt und warum nicht alle? Es sollte mehr Möglichkeiten geben, für ältere Arbeitnehmer auch in junge Fachrichtungen reinzuschauen und sich weiterzuentwickeln. Welchen Wert das für sie haben würde! Und nicht nur für sie sondern auch für ihre Arbeitgeber – sofern diese das gut finden ;O)